
Wie man mit Burnout im Dienst umgeht
Mai 23, 2026Gottes Trost beim Verlust eines Kindes
Christen wird auf dieser Seite des Himmels nicht Gesundheit, Reichtum und Glück versprochen. Die traurige Realität des Lebens in einer gefallenen Welt ist, dass wir alle viele verschiedene Formen von Verlust erleben werden: den Verlust unserer Gesundheit, eines Arbeitsplatzes, einer Beziehung oder – am allerschlimmsten – den Verlust eines geliebten Menschen. Wenn wir solche Dinge durchmachen, fällt es oft schwer, noch irgendetwas anderes als diesen Verlust zu sehen. Es kann so einnehmend wirken, dass alles andere von Trauer verschlungen wird, sogar die lebensspendenden Wahrheiten der Schrift.
Genau das habe ich erlebt, als meine Tochter Leila eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin tot geboren wurde. Ich begann mich völlig auf den Schrecken meines Verlustes zu fixieren: Mein ersehntes Baby war gestorben; ich würde es nicht füttern, kleiden oder für es sorgen können; mein Sohn Ben blieb ein Einzelkind; ich könnte erneut in die Unfruchtbarkeit stürzen; meine Tochter lag in einem Grab begraben; und so wanderten die Augen meiner Seele unablässig von einer schrecklichen Realität zur nächsten. Aber als ich meinen Verlust und seine vielen Schichten betrachtete, hörte ich auf, auf den Einen zu schauen, der allein Trost in meine Traurigkeit und Licht in meine Dunkelheit bringen konnte. Die Hymnenschreiberin Helen Lemmel kannte den Ausweg aus meiner beinahen totalen Verzweiflung:
Richte den Blick nur auf Jesus,
schau auf in sein Antlitz so schön,
und die Dinge der Welt werden blass und klein
in dem Licht seiner Gnade geseh’n.
Als ich meine Augen auf Jesus richtete, verblasste selbst der Verlust meines Kindes auf seltsame Weise, während sein Licht die Dunkelheit erhellte. Der Blick auf ihn hat meinen Schmerz nicht betäubt, aber er hat mir inmitten dieses Schmerzes unermesslichen Trost gespendet.
Der Retter, der sich kümmert
Als ich mich im Verlust meiner Tochter Jesus zuwandte, fand ich einen Retter, der voller Mitgefühl war. Die Evangelien berichten, wie sanftmütig das Herz Jesu gegenüber verletzten Menschen war, die verschiedenste Arten von Verlust erlitten hatten. Eines der schönsten Beispiele dafür ist, als ein an Lepra erkrankter Mann Jesus anflehte, ihn reinzumachen. Markus berichtet in seinem Evangelium: „Da erbarmte sich Jesus über ihn, streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will; sei gereinigt!“ (Mk 1,41). Dieser Mann war nach den levitischen Gesetzen unrein (3 Mose 13) und wurde daher als Ausgestoßener behandelt, stets durch körperliche Distanz von anderen getrennt. Doch Jesus, bewegt von Mitgefühl, streckte seine Hand über den Abgrund dieser Trennung hinweg aus und berührte ihn. Wie lange musste es her gewesen sein, dass dieser Mann die Berührung eines anderen Menschen gespürt hatte?
Die Evangelien geben uns viele Beispiele dafür, wie Jesus das Leben derer berührte, die unter der Last und Zerbrochenheit einer gefallenen Welt lebten. Voll Mitgefühl wandte sich Jesus der Mutter zu, deren einziger Sohn gestorben war (vgl. Lk 7,11–15), den Kranken (vgl. Mt 14,14), den Hungrigen (vgl. Mt 15,32), den Blinden (vgl. Mt 20,30–34) und den Geplagten und Hilflosen (vgl. Mt 9,35–36). Wenn wir uns diese Berichte ansehen, sehen wir keinen Retter, der gefühllos gegenüber leidenden Menschen ist, sondern einen Retter, der voller Mitgefühl „seine Hand nach uns ausstreckt“.
Der Retter, der weint
Vielleicht sehen wir das zarte Herz von Jesus nirgendwo deutlicher als im kürzesten Vers der Bibel: „Jesus weinte“ (Joh 11,35). Als er am Trauerhaus ankam, wo sein Freund Lazarus tot lag, vergoss Jesus nicht nur eine einzelne, filmreife Träne – er weinte bitterlich. Obwohl er wusste, dass er Lazarus gleich wieder zum Leben erwecken würde, fühlte er dennoch die tiefen Emotionen von Traurigkeit und Zorn.
Nachdem Leila tot geboren wurde, weinte ich mehr als je zuvor, aber ich fand Trost in der Tatsache, dass auch mein Retter angesichts des Todes weinte. In seinem Kommentar zu diesem Vers schreibt Johannes Calvin: „Er wird von unseren Leiden ebenso bewegt, als hätte er sie selbst erlitten.“ In deinem Verlust und in meinem erfreut sich unser Herr Jesus nicht an unserem Kummer. Er ist das fleischgewordene Wort, das Trauer in seiner Brust und Tränen auf seinen Wangen fühlte.
Der Retter, der siegt
Zu wissen, dass Jesus sich kümmert und weint, ist in Zeiten des Verlusts ein Trost, aber allein ist es nicht genug. Denn was nützt es, dass Jesus uns in unserem Leiden und Kummer beisteht, wenn er am Ende diese Dinge nicht für uns überwinden kann? Wenn Jesus kein Sieger ist, dann ist er letztlich auch kein Tröster. Wenn wir verletzt sind, brauchen wir nicht nur einen Mitfühlenden – wir brauchen einen Retter.
Jesus kam nicht, um unseren Schmerz einfach mit einem Pflaster zuzudecken; er ging an die Wurzel allen Leidens – nämlich die Sünde. „Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen auf dem Holz“, damit er den Fluch des Sündenfalls umkehren konnte (1Petr 2,24). Bevor die Sünde in ihrer Hässlichkeit alles überschattete, gab es keinen Verlust. Es gab kein Weinen, keine Enttäuschung, keine Zerbrochenheit, keinen Tod. Als Jesus Lazarus vom Tod ins Leben rief, zeigte er uns, wozu er gekommen war: „Damit er durch den Tod den außer Wirksamkeit setzte, der die Macht des Todes hatte, nämlich den Teufel“ (Hebr 2,14). Weil Christus den Tod besiegte und am dritten Tag zum Leben auferweckt wurde, gab er uns neue Hoffnung auf eine kommende Welt, in der alle Trauer und Seufzen verfliegen werden, in der Tod und Verlust nicht mehr sein werden.
Der Retter, der tröstet
Als ich erfuhr, dass Leila in meinem Mutterleib gestorben war, stürzte ich in eine Trauer, die mich zu verschlingen drohte. Aber als ich zu Jesus blickte, dem Retter, der sich kümmert, weint und in einer Welt voller Sünde, Leid und Kummer siegt, fand ich Trost – meinen einzigen Trost im Leben und im Sterben. Als ich meine Augen auf ihn richtete, verblasste mein Verlust auf seltsame Weise „in dem Licht seiner Gnade“.
O Herz, bist du traurig und müde?
Gehst einsam in Dunkel und Nacht?
Da ist Licht, wenn du schaust auf den Heiland,
der volle Erlösung dir bracht!
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf dem Blog von Ligonier Ministries veröffentlicht.
Dieser Artikel wurde ursprünglich in der Zeitschrift Tabletalk veröffentlicht.


